Die geschichtliche Entwicklung der Gemeinde

Altdorf altZwei Gewässer und ihre Täler prägen Landschaft und Entwicklung von Altdorf. Es ist zum einen das breite Isartal mit seiner nördlichen Terrassenlandschaft, sowie das schmale Pfettrachtal, das sich nach Westen hin zieht. Mehrere Eiszeiten haben diesen Landstrich entstehen lassen, der von altsteinzeitlichen Jäger- und Sammlerfamilien in jahreszeitlichem Turnus besucht wurde. Von ihren Zelten oder Feuerstellen ist bisher noch nichts entdeckt worden, da sich diese unter nacheiszeitlichen meterdicken Lößablagerungen befinden, die seit ihrer Entstehung vor 8000 Jahren die Grundlage für immer noch fruchtbare Böden legten.

Vor 7600 erreichten die ersten vorwiegend von der Landwirtschaft lebenden jungsteinzeitlichen Bauernfamilien über den Wasserweg der Donau das Isartal. Auf einer leichten Lößterrasse nahe dem Bach Pfettrach errichteten sie das älteste bisher im Landkreis entdeckte Bauernhaus. Die von uns „Linienbandkeramiker“ genannten Bauern begannen die das Land dominierenden dichten Laubwälder zu roden und legten auf den bewuchsfreien Gebieten kleine Felder an. Es war der Beginn von Ackerbau und Viehzucht im heutigen Ortsgebiet. Die Siedlungen wuchsen und bereits drei Jahrhunderte später gab es ein kleines Dorf in den Altdorfer Ortsteilen Kleinfeld-Aich, und auch in Pfettrach und Eugenbach weitere Ansiedlungen.

Eugenbach altDie günstige Lage veranlasste auch in den nachfolgenden Jahrtausenden immer wieder landsuchende Siedler sich hier niederzulassen. So ist der Zuzug verschiedenster Völker nachzuweisen, die sich nach und nach in die einheimische Bevölkerung integrierten. Die über viertausendjährige Jungsteinzeit hat anhand von Siedlungsresten oder Grabfunden den Beweis der Anwesenheit von vielen Völkern erbracht: Oberlauterbacher Kultur, Stichbandkeramische Kultur, Münchshöfener Kultur, Michelsberger Kultur, Altheimer Kultur, Chamer Kultur, Glockenbecher Kultur, Schnurkeramische Kultur. Eine einzigartige Befestigungsanlage mit einer Größe von ungefähr einem Fußballfeld und zwei parallelen bis zu drei Meter tiefen Gräben entstand um 3500 v. Chr., in der sogenannten Altheimerzeit in Altdorf-Aich und lässt sich als Regionalzentrum, Marktplatz und Versammlungsplatz, sowie Rückzugsort bei Bedrohungen von Leben und Vorräten deuten.

Das Bekanntwerden des Metalls Bronze hat um das 2. Jahrtausend v. Chr. in Altdorf zu einem Anstieg der Bevölkerung mit einem weitläufigen Dorf geführt, das sich von der heutigen Frauenkirche am Isarhang, in einem großen Bogen übers Römerfeld bis hin zur Autobahn nahe dem Weiler Aich zog. Hügelgräber aus dieser Zeit sind in Ostergaden und in Buchthal-Heindlfeld erhalten. Um 1250 v. Chr. veränderten sich die Gebräuche, die Urnenfelderkultur ist im Pfettrachtal vorherrschend und bei archäologischen Grabungen wurde die Werkstatt eines Bronzeschmieds entdeckt. Vor 2500 Jahren veränderte eine neue, die gesamte europäische Bevölkerung beeinflussende Erfindung auch das kleine, schon damals uralte Dorf am Isarhang: die Eisenzeit begann. Zuerst als Schmuck und in Besitz der Herrschenden erobert das neue Metall Eisen die damalige Welt. Messer, Schwerter, Kessel, Bratenspieße und vieles mehr zeugt vom Erfindungsreichtum der Kelten, wie sich dieser Volksstamm nennt. Nahe am Isarhang, unweit eines kleinen Dorfes, errichten sie eine rund 100 m x 100 m große Viereckschanze von deren Nutzung man auch heute noch nichts Genaues weiß. Sie könnte Marktplatz, Versammlungsort, Sportstadion, Dorfzentrum oder Platz für kultische Veranstaltungen gewesen sein.

Pfettrach altUm 400 v. Chr. räumen die Altdorfer Kelten ihre Häuser aus, brennen sie nieder und ziehen gen Süden. Was sie dazu veranlasste ist noch immer nicht ganz klar.Über 200 Jahre später mussten die Nachkommen dieser Kelten Italien und den Balkan verlassen, nur wenige kamen damals in ihre ehemalige Heimat zurück. Einschneidend war um Christi Geburt die Landnahme durch das römische Militär. Eine dieser befestigten Strassen, die Isartalstrasse, kam vom Hauptstandort Augsburg, lief rechts der Isar über Freising und Niedererlbach, kreuzte irgendwo um Landshut das Isartal und lief am linken Ufer weiter bis zur Donau. Um 300 n. Chr. änderten sich die Wegführungen und ein Landweg ging durch Altdorf und das Pfettrachtal ins Kastell von Manching. Aus dem Altdorfer Kleinfeld und aus Eugenbach sind römische Gutshäuser „villae rusticae“ bekannt, in Eugenbach fanden Archäologen auch Überreste einer Töpferei. 

Um 650 n Chr. nach dem Abzug der Römer und nach der Völkerwanderung war der Stamm der Bajuwaren entstanden. Benediktinermönche aus Regensburg brachten der hiesigen Bevölkerung den neuen christlichen Glauben, der nur sehr zögerlich und unter Druck der Herrschenden angenommen wurde. In Altdorf-Kleinfeld, Altdorf-Aich und in Pfettrach-Höfen entstanden Ansiedlungen und erste Friedhöfe, deren reiche Grabbeigaben vom Wohlstand der ersten Christen im Pfettrachtal zeugen. Von Müchnerau (Mönche in der Au) aus gründeten und betreuten Mönche die Urpfarrei Eugenbach. Eugenbachs ältester geschriebener Name lautet „Yupinpach“ und stammt aus dem Jahr 822.

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Karte von Apian aus dem Jahr 1568

Interessante Funde kamen 1994 in Pfettrach-Höfen bei Grabungen ans Licht, nämlich Brunnen und Öfen aus der Bajuwarenzeit. Die Jahresringdatierung, der im Löß stehenden gezimmerten Brunnen, erbrachte eine Erbauungszeit vom 7. Jh. bis 11. Jh. Überraschenderweise hat die Untersuchung der Hölzer eine Wetteraufzeichnung aus der Regierungszeit von Kaiser Karl dem Große bestätigt, in der es hieß dass: „ … im Jahr 767 ein so starker Frost herrschte, dass alle jungen Bäume erfroren“ und ein griechischer Chronist schrieb sogar „… von einer Eisdecke das Schwarze Meer bedeckte.“

Im 10. Jahrhundert verstärkten sich Einfälle von Hunnenvölkern aus dem Osten, die es bei ihren Raubzügen auf Menschen und Vorräte abgesehen hatten. Die Bevölkerung hat damals in Pfettrach am Abensberg eine riesige befestigte Schutz- und Rückzugsanlage errichtet, die heute „Ungarnrefugium“ genannt wird. Ungefähr zur selben Zeit sind die großen Burganlagen in Altdorf auf dem Oswaldberg und in Eugenbach auf dem jetzigen Kirchberg entstanden. Von der westlichen Eugenbacher Burgwand, früher zur Burgkapelle gehörend und heute die Westseite der St. Georgs-Kirche, ist noch ein großer Teil des dekorativen Mauerwerks erhalten, das aus „Isarbummerln“ (großen Isarkieseln) gemauert wurde. Es ist das einzige in Süddeutschland bekannte aufgehende Mauerwerk aus dem 10. Jh.

Die Eugenbacher Burganlage musste um den Beginn des 13. Jahrhunderts, ebenso wie die Oswaldburg in Altdorf und alle weiteren Burgen im Isartal, wegen des Ausbaus der Burg Trausnitz und Gründung der Stadt Landshut, unter Zwang verlassen werden. In Altdorf sind die Steine der Burg als Baumaterial (Ziegelberg) genutzt worden und noch heute sind Teile der Dachdeckung dort zu finden.

 Monika Weigl 31.7.09