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Folge dem Strom der Zeit am stillen Fluss Archäologie-Park Altmühltal: Wandern und Radeln auf Spuren uralter Kulturen
Monika Weigl (2. von links), Bürgermeister Franz Kainz sowie Kreis- und Marktgemeinderat Willi Gürtner dankten der Referentin Dr. Ruth Sandner, Kreisarchäologin des Landkreises Kelheim, für ihren Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Historisches Forum Altdorf'. - Die Rekonstruktion eines Tores der Ketten-Stadt Alkimoennis ist eine der 18 Stationen des Archäologieparks Altmühltal. Das Foto entstand bei einer Exkursion der Teilnehmer am Aktivurlaub "Abenteuer Archäologie im Landkreis Landshut" im vergangenen Jahr.
Die Ausgrabungen im Altmühltal unter Leitung des Archäologen Dr. Bernd Engelhardt waren die flächenmäßig größten Grabungen, die je in Bayern stattfanden. Sie erbrachten von 1976 bis 1991 eine Fülle von Zeugnissen des Lebens der Menschen vieler Epochen. Der Archäologiepark Altmühltal (AP A) erschließt seit Juli 2008 der breiten Öffentlichkeit die Jahrtausende und die Erkenntnisse der Wissenschaft, wie die Kreisarchäologin Dr. Ruth Sandner (Kelheim) in einem Vortrag beim Historischen Forum Altdorf schilderte.
Auch viele Geschichtsfreunde aus dem Landshuter Raum haben bereits einmal die "Reise in die Vergangenheit" angetreten, auf die man im APA gehen kann, sagte Monika Weigl, die Organisatorin des Historischen Forums Altdorf bei der Begrüßung der Zuhörer, unter ihnen 1. Bürgermeister Franz Kainz sowie Kreis- und Marktgemeinderat Willi GÜrtner.
Auf den 40 Kilometern zwischen der Kelheimer Altstadt (Archäologisches Museum) und Dietfurt (Erlebnispark Alcmona) finden Geschichtsfreunde 18 Stationen, an denen ihnen auf ganz unterschiedliche Weise das Leben, die Nöte und Freuden von Menschen in uralten Zeiten - nahegebracht und die Ergebnisse archäologischer Forschungen präsentiert werden, wie Ruth Sandner darlegte. Die gut ausgeschilderte Wegstrecke lasse sich am besten zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen, einige Stationen sind auch mit dem Auto direkt erreichbar.
Start in die Altsteinzeit Es ist eine Reise von der Altsteinzeit bis in die Epochen der Kelten und der Bajuwaren. Denn im lauschigen Altmühltal fühlten sich schon die Neandertaler wohl: In den Höhlen an seinen Hängen (wie den Klausenhöhlen, APA-Station 7) haben sie vor 40000 Jahren im Frühjahr und Herbst ihre Jagdlager aufgeschlagen, immer, wenn Rentierherden durch das Tal zogen. 32000 Jahre und ein paar Jahrhunderte später siedelten sich die ersten Bauern an, in der Bronzezeit (2300 bis 800 vor Christus) wurden mächtige Erdhügel über die Gräber wichtigerer Leute aufgehäuft und ihnen Beigaben, Schmuck und Geschirr, mitgegeben für den Weg ins Jenseits. In Altessing ist ein solcher Hügel nachgebaut worden (Station 6).
Wichtige Rohstoffe fanden sich im Altmühltal, wie Rasen-Eisenerz, das die Kelten auf den Höhen westlich der heutigen Befreiungshalle schürften: Hier gründeten sie vor rund 2200 Jahren eine große Stadt, Alkimoennis, in der Niederbayerns erste Münzen gegossen wurden.
Die Kelten schützten Stadt und Eisen-Produktion durch fast zehn Kilometer lange Mauern aus Erde, Stein und Baumstämmen. Der - Nachbau eines der mächtigen Stadttore neben der Schleuse Gronsdorf des Main-Donau- Kanals ist als Station 3 eine der beeindruckendsten Wegmarken des APA.
An sogenannten Hörstationen - kann man per Knopfdruck Informationen über die Fundstätten abrufen. Zuvor werden fiktive Kurzerzählungen des Schriftstellers Ernst W. Heine erzählt, der sich in die Lebenswelt vergangener Jahrtausende hineingefühlt und Geschichten erdacht hat.
Nicht zuletzt nutzte der Mensch die Altmühl von jeher als Transportweg, den Fluss, den die Kelten "Alcmona"· nannten, was soviel heißt wie "gemächlich fließendes Wasser, stiller Fluss". Später, als die Sprache der Kelten verklungen war auf immer und keiner mehr den Sinn der Laute verstand, wurde der Name verballhornt zu "Altmühl".
Der Kanal und die Kultur Was hätte nicht noch alles verlorengehen können für immer, wenn nicht Dr. Bernd Engelhardt und seine Mitstreiter gewesen werden. Die Referentin Dr. Sandner zeigte ein Foto, das symbolhaft die Situation bei vielen Grabungen widerspiegelt: Dr. EngeThardt, ein Hüne von Mann, und ein Mitarbeiter erscheinen angesichts einer riesigen Baumaschine der Rhein-Main-Donau-AG (RMD) , wie Winzlinge.
So werden sie sich auch manchmal vorgekommen sein und anfangs zählte Dr. Engelhardts Team fünf Arbeiter und seine Kasse gerade einmal 5000 Mark. Aber die RMD hatte ein Einsehen, schließlich standen Engelhardt eine Million Mark im Jahr zur Verfügung und 100 Mitarbeiter waren am Werk.
Was dabei herauskam, füllt bislang 19 wissenschaftliche Bücher und ist von zeitlosem und unschätzbarem Wert. Mit 660 000 Euro, nicht zuletzt aus EU-Mitteln, ist seit 2006 der APA geschaffen worden und damit für die Landkreise Kelheim und Neumarkt eine neue große touristische Attraktion. Und neun von 18 sogenannten Ein- Euro-Joblern haben dank des APA-Ausbaus wieder einen festen Arbeitsplatz gefunden.
Die 18 Stationen bieten zugleich ein breites Spektrum von Möglichkeiten, Geschichte darzustellen: Es reicht von originalgetreuen Rekonstruktionen einer spätkeltischen Schmiede (Station 5) oder frühkeltischer Pfostenhäuser (13) bis hin zu künstlerischen Visualisierungen archäologischer Befunde, etwa der Reste einer Weberei (9), die für manche gewöhnungsbedürftig ist. Kurz: Es ist eine Vielfalt, fast so verschieden wie die Schicksale der Menschen in all den Jahrtausenden am Ufer des stillen Flusses. LZ v. 18.02.2010
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