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Erforscher der Vergangenheit Archäologen und Archivare als Partner
Beim ersten Vortrag der neuen Reihe Historisches Forum 2009/10 konnte Bürgermeister Franz Kainz die Organisatorin Monika Weigl und den Referenten Stadtarchivar Gerhard Tausche im Bürgersaal in Altdorf begrüßen. Monika Weigl dankte auch den Vertretern derjenigen Vereine, die durch finanzielle Zuschüsse die Vorträge erst möglich gemacht haben: die Gesellschaft für Archäologie in Bayern, der Altdorfer Heimat- und Museumsverein und arLan, Archäologischer Verein für Stadt und Landkreis Landshut und stellte den zahlreichen Besuchern die Referenten und Themen der nun schon 9. Vortragsreihe vor, die schwerpunktmäßig wieder archäologische Themen behandeln.
Archäologen und Archivare gehen bei der Erforschung der Vergangenheit verschiedene Wege. An einigen Beispielen erläuterte Gerhard Tausche, dass gemeinsames Arbeiten zielführender ist und sich komplexe Zusammenhänge besser darstellen kann. So ist in einem Band des Stadtarchivs Landshut aus dem 15. Jh. zu lesen, dass im Jahr 1412 die Fleisch- und Brottische, die mitten in der Straße - der jetzigen Altstadt - standen, nun hinter das Rathaus verlegt wurden. Die Bestätigung dieser Notizen kam Anfang der 1980er Jahre, als die Landshuter Altstadt umgestaltet wurde und im Bereich vor dem heutigen Sparkassengebäude bis hinauf zur Martinskirche deren Fundamente ans Licht kamen. Ohne die von Archäologen ergrabenen Mauerreste wäre es nie möglich gewesen festzustellen, wo sich die Gebäude „Brottisch“ oder „Fleischtisch“ genannt, genau befunden haben, noch wie sie ausgesehen haben. Erst jetzt gab es detaillierte Befunde, die Rückschlüsse auf das Aussehen der Altstadt vor 1412 und genaue Rekonstruktionen zuließen.
Ein weiteres Beispiel brachte der Referent mit Blick auf die Ausgrabungen im Jahr 1992 im Innen-und Aussenbereich der Heiliggeistkirche. Um die Mauern herum wurde ein vermuteter Friedhof, der bis ins Jahr 1805 bestand, freigelegt. Zur Überraschung der Archäologen fanden sich zwischen den Grabstellen von Erwachsenen auch Skelette zahlreicher Kinder. Im Archiv konnte durch Urkunden festgestellt werden, dass im Spital nicht nur Pfründtner, sondern auch Waisenkinder untergebracht waren. Anhand dieses Beispiels wurde deutlich, wie konstruktiv Archäologie und Archive zusammenarbeiten können. Gerhard Tausche zeigte dann noch aktuelle Beispiele aus Stadt und Land auf, die auf eine gemeinsame Forschung warten oder wo ergänzende Belege derzeit noch fehlen. Als Fazit zog der Referent den Schluss, dass eine Zusammenarbeit zwingend ist und man immer den Blick über den Tellerrand richten sollte. Vor allem in Zeiten äußerst knapper finanzieller Ressourcen ist in seinen Augen ein gemeinsames Forschen dringender denn je. Dem Vortrag schloss sich noch eine rege Diskussion an, in der Peter Geldner 1. Vorstand des Archäologischen Vereins von Stadt und Landkreis Landshut betonte, dass zur weiteren Erforschung der Stadtgeschichte eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der beiden Bereiche unerlässlich ist und beide daraus ihren Nutzen ziehen können.
Der nächste Vortrag von Lambert Grasmann mit „Kröninger Keramik, Forschung in Kleinbettenrain und die Sammlung im Vilsbiburger Museum“ ist am 13.11.2009.
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