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Klein, aber sensationell! Ein winziges Obsidian-Teilchen als Superfund
Feldbegehungen erbringen immer wieder überraschende Dinge. Helmut Böhm, ein Mitglied von arLan – Verein für Archäologie und Bodendenkmalpflege im Landkreis Landshut, fand bei einer routinemäßigen Begehung auf einem Altdorfer Acker ein kleines graues Glasteilchen. Die eigenartige Farbgebung von durchsichtigem Grau bewog Helmut Böhm, genauer hinzuschauen. Normalerweise ist für einen erfahrenen Feldbegeher so ein kleines „Silex“-Teilchen so wenig spektakulär, das es sich kaum lohnt, es aufzuheben. Daheim aber, nach dem Waschen, war es plötzlich kein Feuerstein mehr .....
Das Material war durchscheinend, stark glänzend, somit anders als die im Landkreis Landshut anzutreffenden gängigen Silexfunde.
Auf dem monatlichen Archäologiestammtisch gingen die Meinungen der Amateurarchäologen dann auch in alle Richtungen, keinem war bisher Derartiges etwas bekannt.
So traf es sich gut, dass auf dem Ende Oktober in Wien statt gefundenen internationalen ÖGUF-Symposium einige Experten steinzeitlicher Werkstoffe anwesend waren und Kreisheimatpflegerin Monika Weigl diesen den Fund vorlegen konnte. Magister Michael Brandl, Mitglied der Prähistorischen Kommission der Akademie der Wissenschaften, Ur- und Frühgeschichte der Uni Wien und seine Kollegin Dilek Cetin-Draskovits begutachteten das nur 3 cm x 1,5 cm große Bruchstück einer Klinge. Beide bestätigten sofort „Obsidian“. Aufgrund der Farbe, der Einschlüsse und der Bänderung dieses vulkanischen Glases, musste es Obsidian sein. Michael Brandl bestimmte das hierzulande sehr selten anzutreffende Obsidianteilchen als Fragment eines Messers. Den Bearbeitungsspuren nach datierte er es in die Jungsteinzeit. Klingen aus diesem vulkanischen Glases sind zwar in ganz Europa bekannt, für Niederbayern ist es jedoch eine absolute Rarität. Wie Dr. Bernd Engelhardt von Denkmalamt Niederbayern bemerkte, ist nur noch ein weiteres Obsidianstück bekannt. Im Institut von Prof. Dr. Ernst Pernitzka sollen Analysen zu Materialeigenschaften und dem eigentlichen Herkunftsort durchgeführt werden, vieles deutet auf Nord-Ost-Ungarn. Die archäologische Ausstellung im Museum Adlhoch-Haus Altdorf ist erneut durch einen überregional bedeutenden Fund reicher. Dieses kleine Obsidianstückerl bestätigt die herausragende Lage Altdorfs am Rande des Isartals mit ihren über West-Ost und Nord-Süd- Handelskontakten, die schon vor rund 5500 Jahren bestanden haben.
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