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Noch immer rätselhaft: “Die Altheimer”
Interessante Vorträge beim archäologischen Forum - Heimatgeschichte beleuchtet

Im dritten Vortrag des Historischen Forums hat die Archäologin Barbara Limmer über ein Volk aus der Jungsteinzeit berichtet: die Altheimer Gruppe, nach dem Ort Altheim benannt, wo 1911 eine große Grabenanlage gefunden und teilweise ausgegraben wurde. Die "Altheimer" waren steinzeitliche Bauern die über Niederbayern und die Oberpfalz hinaus siedelten.

Noch immer rätselhaftMuseumsleiterin Monika Weigl hatte die Referentin Barbara Limmer, den leiter des Kelten-Römer-Museums Manching, Dr. Wolfgang David, und die aus der Schweiz angereiste Archäologin Dr. Mireille David-Elbiali im Anschluss an den Vortrag zu einem Meinungsaustausch ins Museum Altdorf eingeladen.

Vieles ist bekannt von ihnen: dass sie auf den fruchtbaren Lößböden Getreide anbauten, Schafe, Ziegen, Schweine und Rinder wegen Milch oder Fleisch fütterten, in die Wälder auf die Jagd und zum Fischen an die Isar gingen.

Eins jedoch machten sie anders als die Siedler Jahrtausende zuvor und Jahrtausende danach, sie bauten ihre Häuser nicht auf die Flussterrassen, sondern mit Vorliebe in moorige Böden an .Seeufern oder Talauen. Zu diesen Pfahlbauten führten Bohlenwege, Zäune grenzten die Grundstücke ab. Die einfachen Holzhäuser besaßen oftmals zwei 'Räume, wobei in dem Raum mit dem Kuppelofen auch Stampflehmboden war, nebenan fanden die Archäologen Tiermist, was auf einen Stall für Haustiere deutet. Außer dem Tiermist, Bauholz und Tierkochen haben sich auch. verschiedenste Getreidekörner, Fruchtsamen und sogar Fliegenpanzer erhalten. Die gute Erhaltung dieser Siedlungsreste, so die Archäologin, ist den Moorböden zu verdanken, die alles konserviert haben. So fand man Nussschalen in Ergolding sogar Apfelkerne sowie in Pestenacker Unmengen von kleinsten Himbeerkernen. Davon hatte Barbara Limmer in einem Marmeladenglas Hunderte zum Anschauen dabei - Reste einer Mahlzeit vor 5500 Jahren. Weitere Gegenstände wie ein Kämme, Holzlöffel oder Feuersteinmesser mitsamt Holzgriff haben sich erhalten.

Die zahlenmäßig meisten Fundstücke stellen in allen Siedlungen die weitgehend unverzierten Keramikscherben. Es sind einfache Vorratsgefäße, deren Bauch mit Tonschlicker beworfen und anschließend mit Fingern oder der ganzen Hand flächig, streifig verziert wurden. Was man in den Schüsseln, Tassen und Krügen kochte, aufbewahrte, oder was man daraus trank, ist nicht bekannt. Neben Wasser und Milch könnte man auch Bier gebraut haben, denn Gerste wurde ja bereits angebaut. Eine Überraschung, so Barbara Limmer, stellt aber ein schon vor über zehn Jahren in Altdorf-Kleinfeld ausgegrabenes eckiges,Gefäß dar, das sicher kein hiesiger Töpfer gemacht habe.

Manchmal hat das Moor sogar Stoffreste, Kleidungsstücke und einen originellen aus Lindenbast angefertigten Hut (Pestenacker bei Landsberg) konserviert. Reich verziertes Kleidungszubehör, darunter Dekor-Knöpfe aus Knochen und ein rätselhaft verzierter Gürtelhaken aus einem Hirschgeweih (Ergolding), vervollständigen die steinzeitlichen Schätze in der Kleidertruhe. Ob sich nun Frauen oder Männer mit einem Kollier aus Schweinezähnen schmückten, weiß man nicht, es gibt bisher keine Gräber, daher ist auch nicht bekannt, was mit den Verstorbenen geschah.

Das Besondere der Altheimer waren ihre Anlagen mit mehreren bis zu drei Meter tiefen parallel verlaufenden Gräben um eine fußballfeldgroße Innenfläche, der Eingang war über schmale Erdbrücken möglich, den Blick ins Innere schützten Palisadenwände. Wer was in den in Niederbayern und der Oberpfalz bisher bekannten 20 Erdwerken, zum Beispiel bei Unterwattenbach, Ergolding, Altheim-Koislhof und Altdorf, getan hat, ist fraglich. So könnte es sich um eine Art Gemeinde- oder Marktzentrum gehandelt, aber auch kultischen Zwecken gedient haben.

Ganz besonderes Glück hatten vor einigen Jahren die ehrenamtlichen Ausgräber, die in Altdorf- Seerosenring nicht nur wunderbare Feuersteinmesser und feinste Pfeilspitzen, sondern auch ein kleines, längliches, grellgünes rund acht Zentimeter langes Kupferteilchen fanden. Die wissenschaftlichen Untersuchungen des bekannte Metallurgen Ernst Pernicka, Professor an der Uni Frankfurt, zeigten, dass es sich um einen Kupfermeißel handelt, der laut einer C14-Datierung rund 5300 Jahre alt ist. Das im Altdorfer Museum ausgestellte Stück sei bisher "einzigartig", erklärte Barbara Limmer.
LZ v. 23.01.2010